Praxistag 2

Zum Fruehstueck gibts diesmal Gott sei Dank Instant Coffee, den ich mir wohlweislich am Vortage gemeinsam mit dem Singani hab zulegen koennen. Jeder Tag ein bisschen besser. Im Laufe des Tages passiert folgendes: Wir graben ein paar weitere Komposthaufen um und ein paar weitere Wuermer ein. Francisco: „ Wichtig ist, dass der Kompost immer schoen humide bleibt, sonst sterben die Wuermer. Die ersten 15 Tage duerft Ihr den Wuermern nichts aus Scheisse zu fressen geben, sonst sterben die Wuermer“ – wir zeigen, wie man den Kuhmist mit Wasser geschmeidiger macht – „...die Wuermer essen nur zerriebene Scheisse, wenn die Brocken zu gross sind, sterben die Wuermer.“ (scheinen mir nicht sehr widerstandsfaehig zu sein, diese Wuermer...). Dann versuchen wir noch einen Stacheldrahtzaun um einen Wassertank zu ziehen, ausserdem wollen wir die Pinienpflanzerei fortsetzen. Diesmal in dem urigen Bergdoerfchen namens Florida. (Francisco nimmt einen ordentlichen Schluck aus der Pulle mit 100% Alkohol: „ Stefanie, diese Strasse hier, nach Florida, ist ruta de la muerte – Todesstrasse“- was Du nicht sagst...). Das mit den Pinien entpuppt sich allerdings als ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen, die Dorfgemeinschaft muckt auf, sie wollen keine Pinien pflanzen, sondern Rosen. Nach einigem hin und her einigt man sich auf Rosen, fuer meine Zwecke eh besser, so kriegen meine Fotos einen romantischen Touch. Waehrend ich einen Pfosten mit weisser Farbe betuenche, interviewe ein paar Kinder, was sie von unserem Entwicklungshilfsprojekt halten. „Mein Kind, was haelst denn Du von den Komposthaufen und den Wuermern?“ “Hm. Geht so, als der Komposthaufen gebaut wurde, dachte ich, es wird ein Schwimmbad...“ (Alex:“ In dem Kompost kannst Du auch schwimmen.“) Nehm ich mal nicht zu Protokoll. Dann interviewe ich eine Oma, was sie von der von uns eingefuehrten Meerschweinchenzucht gegen Mangelernaehrung haelt. „Hm. Geht so, also essen werde ich die jedenfalls nicht, schmeckt wie Ratte.“ Nehm ich mal nicht zu Protokoll. Anschliessend muessen wir drei mal Mittagessen (Ei, Reis und Kartoffeln; Kartoffeln, Reis und Ei; Reis, Kartoffeln und Ei). Von Honig weit und breit keine Spur. Die allabendliche Dorfversammlung laeuft ungefaehr so ab: Beginn: 19:00 Uhr. Wir treffen gegen 20:00 Uhr ein. Gegen 20:30 kommt der erste Dorfbewohner, um 22:00 Uhr sind wird so halbwegs vollzaehlig. Die eine Haelfte schlaeft, die andere Haelfte saeugt Babys. Alex hat auf dem Rednerpult etwas Panfloetenartiges gefunden („Das hier, Stefanie, ist ein `Tu Tu´“). Er dudelt ein bisschen und laesst es dann in seinem Rucksack verschwinden. Waehrend Francisco die mangelhafte Partizipation der Dorfgemeinschaft an unseren Meetings bemaengelt kaut Mario Koka, Alex spielt Autorennen auf seinem Handy und ich male Ratten in mein Notizbuch. Francisco entdeckt das „Tu Tu“ in Alex Rucksack und floetet auch ein bisschen. Zurueck im Schuppen trinken Alex und ich Singani mit Kokosjoghurt. Dazu gibt es Tuetensuppe mit pikantem Haehnchengeschmack. Alex packt das Tu Tu aus und floetet ein romantisches Andenlied. (Ich kanns nicht glauben, er hat die Floete geklaut! Nehm ich mal nicht zu Protokoll.) „Weisst Du, Stefanie, warum die Hunde hier nachts so aggressiv sind?“ Ne. „Wegen der ganzen Geister.“ Ahso. „Und weisst Du, warum ich hier auf dem Boden schlafe, und nicht in dem Bett?“ Jaja, wegen der Kakerlaken und Bettwanzen...“Nee. Eben nicht. Eines nachts lag ich hier alleine in dem Bett, und auf einmal hatte ich das Gefuehl, dass mich etwas stranguliert, so dass ich nicht mehr atmen konnte. Als ich aufgewacht bin, stand die Tuer offen, keine Menschenseele in Sicht. Das, Stefanie, war ein Geist. Hier unten auf dem Erdboden gibt es allerdings keine Geister...“ Was du nicht sagst. Nachts hoere ich sonderbare Geraeusche und traeume von menschenfressenden Geistern.

 

 

„Stefanie! Schlaefst Du?“ JA. „Weisst Du, wenn der Singani alle ist, dann haben wir hier noch einen Drink auf Vorrat, hab ich gestern hinter dem Mopped gefunden.“ Alter! Halt den Rand und lass mich schlafen!

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